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Gedanken zur Diskussion um die „Bahn der Zukunft“

Unser Mitglied und Ortsrat Joachim Schade stellt hier seine alternative Betrachtung der Thematik zur Diskussion


Um mit einer - fast nur - bei Politikern häufig zu hörenden Floskel zu beginnen:

Ich bin der Meinung, es ist allmählich an der Zeit, dass „die anderen“ und wir „uns ehrlich machen“ sollten.

Ich stelle fest, dass so gut wie alle Politiker aller Parteien im Land, in den Städten und Gemeinden, gebetsmühlenhaft die Neubaupläne der Deutschen Bahn in der Öffentlichkeit verreißen und laut und plakativ den Ausbau der Bestandsstrecke als die einzig seligmachende Lösung für den Bahnverkehr der Zukunft fordern.

Es wird unterstellt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserem Land genauso denke und dass diese als Wähler etwaige Befürworter der Neubaupläne deshalb bei den nächsten Wahlen abstrafen würden.

Nach meiner Wahrnehmung wird der Ausbau der Bestandsstrecke auch in den öffentlichen Medien, vor allem in der Zeitung, bisweilen unkritisch favorisiert.

Es wurden in der jüngeren Vergangenheit zwar auch mehrfach unkommentierte Sachstandsinformationen über die Planungen der Bahn mitgeteilt.

Jedoch hatte und habe ich den Eindruck, dass häufig entgegen gerichtete Artikel in den Lokalnachrichten erschienen, die eher dazu geeignet waren, Emotionen gegen eine Neubaustrecke auszulösen.

Eine Aversion gegen den Bau einer Schnellbahntrasse habe ich bei Diskussionspartnern im Freundes- und Bekanntenkreis mehrfach feststellen können. Wenn diese nämlich überhaupt informiert waren, dann war man „gefühlsmäßig eher dagegen“.

Argumente der Neubaustreckengegner sind hauptsächlich der Flächenverbrauch einer Schnellbahnstrecke, die Beeinträchtigung des ungestörten Landschaftsbildes und der massive Eingriff in die „unberührte Natur“ (...die es in einer Kulturlandschaft wie der unseren eigentlich kaum noch gibt).

Jedoch wird verschwiegen, dass vergleichbare Eingriffe beim Ausbau der Bestandsstrecke ebenfalls erforderlich werden. Denn die Planungen für einen Ausbau der Bestandsstrecke sehen notwendige und gewollte weiträumige Umfahrungen der kleineren Ortschaften vor, die heute durch die bestehende Bahntrasse geschnitten oder berührt werden, zum Beispiel Bad Bevensen, Suderburg, Unterlüß .

Erfahrungsgemäß werden dort ähnliche Eingriffe erforderlich sein wie beim Neubau. Gerade hier, befürchte ich, wird es großen Widerstand auf Seiten der Grundeigentümer, Landwirte, Naturschützer usw. geben und zu langen Prozessen führen, wie es uns das Beispiel B3 - Ostumgehung seit mehr als 40 Jahren lehrt.

Will man das?

Verschwiegen wird auch, welche Eingriffe in den zu durchfahrenden Städten wie Lüneburg, Uelzen und Celle zu erwarten sind, wenn hier ein drittes oder viertes Gleis verlegt werden muss.

Und was ist zum Beispiel in Celle zu erwarten?

Ich stelle mir beispielsweise vor:

Der Bahnhof in seiner heutigen Form wird vermutlich weichen und auf Kosten von Nachbargrundstücken erweitert werden müssen.

Zahlreiche Häuser in der Nachbarschaft der heutigen Gleisanlagen werden im Wege sein und abgerissen werden.

Die neu gebaute Wartungs- und Instandsetzungshalle auf dem Gelände der OHE steht vermutlich einem Ausbau im Wege.

Diverse Brücken müssen abgerissen und neu konstruiert werden.

Vielleicht stehen auch die Rampen der Eisenbahnbrücke im Zuge des gerade in der Erneuerung befindlichen Wilhelm-Heinichen-Rings dem Ausbau im Wege und müssen zurück verlegt werden, was einem Neubau gleichkommen würde.

Eines steht in jedem Falle für mich fest:

Wenn es zum Ausbau der Bestandsstrecke kommen sollte, muss jahrelang in Celle mit einem Verkehrschaos gerechnet werden.

Das weiß die Politik, nur niemand traut sich meines Erachtens, den Bürgern reinen Wein einzuschenken. Jedermann schielt auf die nächsten Wahlen. Der Stillstand wird in Kauf genommen.

Der Bund hat Kriterien zur Wirtschaftlichkeitsberechnung aufgestellt, an welche sich die Bahn neben sehr vielen anderen Auflagen halten muss. Dem Vernehmen nach erfüllt nur eine Neubaustrecke diese Kriterien in dem vertretbaren, gesetzlich festgelegten Maße.

Eine Neubaustrecke ist wirtschaftlicher als alle anderen Planungsvarianten und mit ihr wird eine geringere „Beeinträchtigung“ des Gemeinwohls erreicht.

Ich halte das für plausibel.

Deshalb werde ich mich auch in Zukunft nicht daran stören, wenn 250 m von meinem Haus entfernt alle 20 Minuten Züge mit hoher Geschwindigkeit das Tal der Aller durchqueren.

Es ist unbestritten, dass die bestehende Nord-Süd-Verbindung bereits heute völlig überlastet ist und erst recht nicht in der Lage sein wird, die zukünftig zu erwartenden Verkehrsströme aufzunehmen.

Experten aller Fachrichtungen aus den unterschiedlichsten beteiligten Körperschaften, Interessenverbänden und Verwaltungen arbeiten – teilweise seit mehreren Jahren – an Lösungsmöglichkeiten für die Mobilität in der näheren Zukunft. Das kostete nicht zuletzt den Steuerzahler bereits bisher enorm viel Geld, das nicht nutzlos verpulvert werden oder durch ins Unendliche führende Prozesse vergeudet werden darf.

Ich bin der Meinung, wir sollten erwarten, dass bei alldem eine Planung herauskommt, die Hand und Fuß hat, ressourcenschonend ist und in einem überschaubaren Zeitraum verwirklicht werden wird.

„Machen wir uns ehrlich“ … und klären die Bürger darüber auf, was sie vermutlich erwartet, wenn sie darauf bestehen sollten, die Bestandsstrecke auszubauen, deren

Trassenführung dem Planungsstand von 1846 entspricht, statt einer durchdachten, optimierten Neubaustrecke den Vorzug zu geben.

Ich glaube ohnehin, dass in Berlin die Würfel für den Neubau längst gefallen sind.

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